„Women’s Power to Stop War“ – ein Geburtstag!

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VermotNR8WILPF, die Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit, feiert ihren 100. Geburtstag

Den 100. Geburtstag muss man feiern – weltweit – und mit seinen Getreuen, die sich in oft kriegsversehrten Ländern mit grossem Einsatz für Friede, Gerechtigkeit und Sicherheit einsetzen. 1300 Frauen sind an den Gründungsort Den Haag gekommen mit ihren Sorgen, Frustrationen und Erfolgen. An den gemeinsamen Themenveranstaltungen wurden immer wieder die drängendsten Fragen gestellt: Wie schaffen wir es, aus dieser weltweiten, beklemmenden Spirale von Gewalt, Krieg und Militarisierung herauszukommen. Wie schaffen wir eine Welt ohne Angst und Terror, in der eine gemeinsame Zukunft ohne Zerstörung möglich wird?

Viele mutige und selbstbewusste Frauen sassen an den Podien, erzählten, erklärten, manchmal brach die Stimme, weil der Horror noch immer präsent und die Emotionen zu stark waren. Zum Beispiel als Zahra‘ Langhi aus Libyen im Workshop „Frauen zwischen Extremismus und Militarismus“ die Geschichte von der Ermordung Salwa Bouguiguis erzählte, die gegen alle Widerstände und Drohungen als erste Frau in den nationalen Übergangsrat in Libyen gewählt wurde. Die Feministin wurde ermordet, weil sie laut, unbequem, klug und unerschrocken war – eine Politikerin, die Frauenrechte in Libyen einforderte. Das war ihr Todesurteil.

Im Panel zu „Impact of Missing Persons on Women“ machte die Vertreterin der Internationalen Kommission für verschollene und verschwundene Personen deutlich, dass zwar meist die Männer verschollen, aber die Frauen davon mehrfach betroffen sind. In Ländern, wo Frauen keinen eigenständigen Status haben und Ehefrauen nur mitgemeint sind, übernehmen die Familien der Vermissten das Zepter. Die Frauen der Vermissten werden oft (erneut) zwangsverheiratet. Weigern sie sich, verlieren sie das Recht auf ihre Kinder und werden ökonomisch nicht mehr versorgt.

“Man ist nie zu alt und man ist nie zu jung”

Und immer ging es um Geld, das nicht in Frauenhand ist und das „blind in Waffen und Kriege und Korruption versickert und in kriminelle Staatsführung investiert wird, statt in Gesundheit, Bildung und Frieden“, sagte eine syrische Aktivistin. Eine Frau aus Libyen analysierte messerscharf: “Was Geld generiert, wird von Polizei, Militär und korrupten Eliten geschützt – was kein Geld bringt, wie Erziehung, Gesundheit, Kinder, Alte, Kranke, ist scheinbar nicht schützenswert“.

Natürlich spielten auch die Generationen eine Rolle – „wo sind die jungen Frauen?“, fragte eine ältere Aktivistin, denn war ist nicht zu übersehen, dass die Generation der grauen Haare in grosser Zahl vertreten war. Eine junge Frau jedoch meinte: “Man ist nie zu alt und man ist nie zu jung, um gegen Patriarchat, Ausbeutung, Krieg zu kämpfen und sich für Frieden und Gerechtigkeit zu engagieren“. Das wurde mit grossem Applaus quittiert.

Was ungleiche Rechte und die Bevorzugung von Männern bedeutet, zeigte die Pakistanin Sameena Nazir am Beispiel des Gesundheitswesens auf. So stehen in der Regel in Kliniken und Spitälern viel mehr Betten für erkrankte Männer zur Verfügung als für Frauen. Frauen müssten oft wochenlang auf eine Behandlung und ein Bett warten. Für Männerbedürfnisse sei in der patriarchalen Gesellschaft immer gesorgt, sagte sie ironisch.

Wut und Hoffnung

Auf grosses Interesse stiess die Friedens-Nobelpreisträgerin Mairead Maguire, die bei ihrer Teilnahme an den Friedensverhandlungen in Nordirland eine wichtige Rolle spielte. Sie, die ihre halbe Familie im Konflikt verloren hatte, erzählte von Strategien, Listen, Rückfällen und endlos langen Verhandlungen. Sie brachte die verfeindeten Gemeinden an einen Tisch, mit dem Ziel der politischen Gleichberechtigung. Mairead Maguire ist eine Vorbereiterin der UN-Resolution 1325 zu „Frauen Frieden Sicherheit“, die seit 15 Jahren die Beteiligung von Frauen an Friedensverhandlungen fordert.

Sie machen uns nachdenklich, sie machen jedoch auch Mut, diese Frauen aus Syrien, der Ukraine, aus Palästina, Nigeria, Pakistan, Nordirland und anderen Ländern. Sie trotzen in schwierigsten Lebensumständen. Sie erzählen ihre Geschichten, sind zornig und hoffnungsvoll.

Wir? Unsere Häuser werden nicht von schwer bewaffneten, vermummten Kriminellen belagert, wir leben in ziemlich grosser Sicherheit, wir haben zu essen, unsere Grundrechte sind gewährleistet, unsere Kinder gehen zur Schule, unser Gesundheitswesen funktioniert, wir haben keinen Krieg. Aber unser Land betreibt im Namen des freien Handels, der Sicherheit und der Rettung von Arbeitsplätzen Waffengeschäfte mit Ländern, die an Eskalationen beteiligt oder in Kriegshandlungen verwickelt sind. Wir sind KomplizInnen – ein ungutes Gefühl, wenn man die unmenschlichen Anstrengungen wahrnimmt, die Frauen in Diktaturen, Unrechtsstaaten und Kriegsgebieten leisten, mit dem einzigen Wunsch, ihre Rechte wahrnehmen zu können. Wir sind mitverantwortlich!

Ruth-Gaby Vermot PWAG

Bern, 1. Mai 2015

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