Friedensnobelpreisträgerinnen: Flüchtlingsfrauen brauchen Schutz

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Die “Nobel Women´s Initiative” fuhr die Balkanroute der Flüchtlinge bis nach Deutschland. Syrische Friedensaktivistinnen forderten Waffenstillstand und Frauen an den Friedentischen.

Ein Artikel von Ute Scheub, Koordinatorin von FriedensFrauen Weltweit in Deutschland

„Unsere Botschaft an Mrs. Merkel: Bleiben Sie stark!“, befand Tawakkol Karman, Friedensnobelpreisträgerin von 2011 aus dem Jemen, Ende November 2015 in Berlin. Eine Delegation der 2006 gegründeten Nobel Women´s Initiative, einem Zusammenschluss von sechs Friedensnobelpreisträgerinnen, war die Balkanroute von Serbien bis Deutschland entlang gefahren, um die Situation von Flüchtlingsfrauen zu erkunden. Neben Karman gehörten ihr auch Jody Williams an, Preisträgerin von 1997 aus den USA, und Shirin Ebadi, Preisträgerin von 2003 aus dem Iran. Ihr Appell: Die EU solle dem Beispiel der vergleichsweise liberalen Politik der offenen Grenzen von Kanzlerin Merkel folgen und für „legale Fluchtrouten“ sorgen.

Frauen und Kinder machten inzwischen etwa ein Drittel der Geflüchteten aus, hatte die Delegation beobachtet. Ihre Lage sei zumeist katastrophal, berichtete die syrisch-britische Ärztin Rola Hallam von der Hilfsorganisation Hand in Hand for Syria, die mit vielen Betroffenen gesprochenWomenRefugeesWelcome-Avatar hatte. Vor allem Alleinreisende seien noch in Syrien bis hierher mehrfach vergewaltigt worden. Viele seien vermisst, andere versklavt worden. Sexualisierte Gewalt sei ein Stigma- und ein Sicherheitsproblem, dem man mit einem traumasensiblen Ansatz begegnen müsse, befand die mitgereiste Lena Ag von der schwedischen Organisation Kvinna till kvinna, die Frauen in Kriegsgebieten unterstützt. Auch sie selbst habe eine sexuelle Attacke erlebt und sie 20 Jahre verschwiegen, ergänzte Jody Williams.

Keine Informationen

Harte Daten zu sexualisierter Gewalt konnte die Nobel Women´s Initiative deshalb nicht vorlegen, aber einige andere Erkenntnisse aus über hundert Interviews: Frauen, Männer und Kinder würden in Unterkünften „zusammengepfercht“ und hätten „kaum Informationen“ über Einreisewege. Auf bulgarischen Bahnhöfen würden sie gar „wie Vieh“ zusammengetrieben, empörte sich Jody Williams. Die Menschenrechtsaktivistinnen appellierten deshalb an die EU, „legale Fluchtrouten“ zu gewährleisten. Dies hätten sie auch gegenüber Merkels Sicherheitsberater zum Ausdruck gebracht, der sie zuvor im deutschen Kanzleramt empfangen hatte.

„Terrorismus und Flüchtlinge sind zwei Seiten einer Medaille“, betonte die Syrerin Rola Hallam. „Die meisten fliehen vor Assads Bomben, aber auch vor dem IS.“ Für dessen rasanten Aufstieg sah sie drei Gründe: Sein Anti-Assad-Kurs, seine Positionierung als Beschützer des Islam, sowie „Sold, Häuser und Autos“ als Belohnung für Neurekrutierte. Ein Stop der Bombardements sei die erste Bedingung für einen Friedensprozess.

Inklusive Verhandlungen

Eine von der Nobel Women´s Initiative mitvorgelegte Studie über syrische Friedensaktivistinnen, „Peacebuilding d23110711771_e91401c842_hefines our future now“, schlägt ebenfalls folgende Schritte vor: Einem Waffenstillstand sollten „inklusive Verhandlungen“ mit allen syrischen Konflikt- und Nichtkonflikt-Parteien folgen, wobei via Quote „eine beträchtliche Anzahl von Frauenaktivistinnen“ einbezogen werden sollten. Die Gespräche sollten in einem „neuen Sozialvertrag“ münden, der gleiche Rechte für alle Geschlechter, ethnischen und religiösen Gruppen vorsehe. Eine Übergangsjustiz solle für Bestrafung für Kriegsverbrecher sorgen.

 „Wir brauchen Verhandlungen und Frauen an den Friedenstischen“, forderte auch Madeleine Rees, mitgereiste Präsidentin der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit unter Verweis auf die entsprechende Resolution 1325 des UN-Sicherheitsrates. Nur so, und nicht durch neue Luftschläge als Antwort auf die Pariser Anschläge, könne die Gewaltspirale gestoppt werden.

Fotos: Nobel Women’s Initiative (http://nobelwomensinitiative.org/)

 

 

 

 

 

 

 

 

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