Für Frieden bat PeaceWomen Across the Globe zu Tisch

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Am 27. Oktober fand der erste Berner FrauenFriedensTisch statt.

Knapp fünfzig Frauen mit spannender und ganz unterschiedlicher Lebens- und Berufserfahrung kamen an diesem Donnerstagnachmittag zusammen. An fünf Tischen verteilt, diskutierten sie die Fragen zur gleichberechtigten Partizipation von Frauen in Entscheidungsprozessen.

Die Beteiligung von Frauen an Friedensverhandlungen weltweit ist marginal. Daran hat die UNO-Sicherheitsrats-Resolution 1325, welche seit über 15 Jahren Frauen als gleichberechtigte Verhandlungspartnerinnen vorsieht, nichts geändert und auch die Umsetzungen der Nationalen Aktionspläne, die von einigen unterzeichnenden Staaten erarbeitet wurden, lassen ebenfalls zu wünschen übrig.

Die Veranstaltung war für die Organisatiorinnen von PeaceWomen Across the Globe ein Experiment. Selten kommen Expertinnen und Interessierte zusammen ins Gespräch. Drei Fragen warteten auf die Teilnehmerinnen. In kleine Gruppen wurden Antworten diskutiert, konsolidiert und notiert. Und schon in der ersten Runde zeigte sich, dass die Technik gut funktioniert. Die Gruppen benannten die Lücken zwischen der aktuellen Situation und dem idealen Konzept der Partizipation von Frauen auf allen gesellschaftlichen Ebenen. Ob die Frauen zu bequem seien, war eine Antwort. Und auch das Fehlen von guten Vorbildern wurde bemängelt.

In der zweiten Runde wurden die treibenden Kräfte ermittelt, die Frauen von der Teilnahme an Entscheidungsprozessen abhalten. Die Erklärungen reichten von innerfamiliären Erwartungshaltungen, bis hin zum gesellschaftlichem Druck bzw. Stereotypen. So sind es nach wie vor die Frauen, welche sich hauptsächlich um die Erziehung der Kinder und die Pflege der Eltern kümmern. Aber auch die Dominanz der Männer spiele eine Rolle. Und die strukturelle Ungleichbehandlung der Geschlechter, welche schon bei Kleinkindern beginnt.

In der dritten Runde ging es darum, zu überlegen, was es zur tatsächlichen Umsetzung einer gerechten Teilnahme von Frauen an Entscheidungsprozessen braucht. Die Antworten liessen nicht lange auf sich warten. Während in der ersten Runde eher zaghaft diskutiert wurde, ging es nun lebhaft zu an den Tischen. Nach 15 Minuten waren Karten beschriftet und die Frauen wechselten noch einmal ihre Plätze um in der vierten und letzten Runde die konkreten Empfehlungen und Forderungen an die Politik zu formulieren.

Es wurden Empfehlungen genannt, die mehr Solidarität der Frauen untereinander fordern. Zudem wurden die immer häufiger vorkommenden Konkurrenzsituationen unter Frauen beleuchtet. Deutlich herausgearbeitet wurde die Notwendigkeit, dass Frauen sich gegenseitig stärker unterstützen und eine Vorbildfunktion für die nächste Generation sein müssen. Zudem müssten Frauen die Männer an Bord holen und sie für die Frauenthemen sensibilisieren. Diese letzte Empfehlung wurde auch an den anderen internationalen Tischen wie Kenia, Pakistan, Vanuatu oder Brasilien genannt. Der Dialog zwischen den Geschlechtern wird also international als sehr wichtig eingestuft, um nachhaltig eine gleichberechtigte Gesellschaft zu erschaffen.

Gerahmt war der Berner FrauenFriedensTisch zum einen von der Vorstellung der 19 internationalen Tischen, die weltweit von PWAG-Partnerinnen im Oktober umgesetzt wurden: eine bunte Mischung, die von Asien bis Lateinamerika reichte. Zum anderen erzählten drei Frauen, aus Nepal Tschetschenien und Kurdistan von ihren Erfahrungen auf dem internationalen Parkett.
Binda Pandey, erfolgreiche Politikerin und Gewerkschafterin aus Nepal berichtete darüber, was es heisst, in einer extrem patriarchalen Gesellschaft für Veränderungen einzustehen.
Die in der Schweiz lebende Tschetschenin Sonja Tagirova Troicher hat erlebt, wie konservative Kräfte in ihrem Land den Frauen die Rechte absprachen. Sie ist geflüchtet und unterstützt nun seit Jahren Frauen aus Zentralasien, welche ihr Schicksal teilen.
Die dritte im Bunde, Arzu Güngör aus Kurdistan, ist Programmverantwortliche für die kurdischen Gebiete und Rojava bei Medico International in Zürich. Sie hat sich stark mit der Frauenbewegung in Rojava befasst. Die Gleichberechtigung und politische Partizipation der Frauen in der autonomen Region im Norden Syriens ist sehr weit fortgeschritten und reicht bis zur Teilnahme an militärischen Kämpfen gegen die feindlichen Lager.

Eingeladen, abschliessend die Empfehlungen mit den Teilnehmerinnen zu diskutieren, war SP-Nationalrätin Claudia Friedl aus St. Gallen, die Berner SP-Grossrätin Ursula Marti und die Berner FDP-Stadträtin Barbara Freiburghaus. Die Politikerinnen haben sich viel Zeit genommen und waren zum Teil schon vorgängig bei den Tischrunden anwesend. Die Diskussion war für alle Beteiligten sehr gewinnbringend. Die Empfehlung, dass Frauen noch mehr dezidierte Strategien entwickeln sollten, um von beiden Geschlechtern gehört zu werden, wurde unterstrichen. Die Liste der weiteren Empfehlungen ist aber lang und reichhaltig. PWAG wird deshalb mit den Politikerinnen im Gespräch bleiben – als Partnerin aus der Zivilgesellschaft, immer wenn es um gleichberechtige Partizipation an Verhandlungen geht.

Die 19 FrauenFriedesTische haben in folgenden Ländern stattgefunden: Afghanistan, Bangladesch, Brasilien, Burundi, Indien, Indonesien, Kenia, Kolumbien, Mali, Marokko, Nepal, Nicaragua, Pakistan, Palästina, Schweiz, Somalia, Sri Lanka, Tunesien und Vanuatu. Ein FrauenFriedesTisch im Sudan geplant, konnte aber wegen der politisch sehr schwierigen Situation nicht durchgeführt werden.

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